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Wie Ägypten trotz Unruhen als Reiseland punkten will
Ägypten ist als Reiseziel sehr beliebt. Doch die dortigen politischen Unruhen Rufen bei vielen potenziellen Urlaubern Angst hervor. Viele sehen daher von einer Reise ab. Was ist aber mit schon gebuchten Reisen für den Sommer?
Mohamed Gamal, Generaldirektor des Ägyptischen Fremdenverkehrsamtes, spricht im Interview über die aktuellen Ausschreitungen und die touristische Situation im Land. Er meint: "Die Reisen in unser Land sind nicht gefährlich."
Es waren schreckliche Bilder, die aus Port Said um die Welt gingen:
Ein brennendes Fußball-Stadion – rohe Gewalt. Über 70 Tote, unzählige Verletzte. Seit der Revolution vor gut einem Jahr fehlen im Reiseland Ägypten ohnehin die Urlauber. Die Touristen, die doch ins Land des Tutanchamuns, der Sphinx und endlosen Sandstrände fliegen, haben die Pyramiden – aber auch viele der weltweit schönsten Tauchgebiete quasi für sich allein. Und durch die neusten Schreckensbilder droht weiter Vertrauen zerstört zu werden. 2011 besuchten knapp zehn Millionen ausländische Gäste Ägypten, ein Jahr zuvor waren es noch fast 15 Millionen. Wir sprachen mit Mohamed Gamal, Generaldirektor des Ägyptischen Fremdenverkehrsamtes, über die touristische Situation im Lande.
Die Reisebranche hat Einbrüche von gut einem Drittel im Vergleich zu 2010, ausländische Investoren bleiben fern. Wie beruhigen Sie die Urlauber angesichts der noch anhaltenden Unruhen im Land?
Gamal: Wir unterstützen die Reiseveranstalter schon seit letztem Jahr mit Subventionen bei den Charterflügen für Ziele wie Hurghada und Luxor. Aber auch für neue Destinationen: Alexandria, das Mittelmeer hat viel zu bieten – wunderschöne Strände, versunkene Schätze.
Die islamischen Parteien in Ägypten waren bei den Wahlen sehr erfolgreich, die meisten Stimmen holte die Muslimbruderschaft. Von der Einführung der Scharia ist die Rede, man befürchtet Bikini- und Alkoholverbote, getrennte Strände für Männer und Frauen. Wie sehen Sie die Zukunft mit einer islamistisch geprägten Regierung?
Gamal: Die Muslimbruderschaft fördert den Tourismus. Ich glaube nicht an Bikiniverbote oder ähnliches. Die Regierung braucht diesen im Land so bedeutenden Wirtschaftszweig.
Jeder achte Arbeitnehmer ist in der Reisebranche tätig, 20 der 85 Millionen Ägypter sind vom Tourismus abhängig. Wie sieht die Bevölkerung die weitere Entwicklung des Tourismus im Lande?
Gamal: Die Ägypter verlassen sich auf ihn. Was könnten die Leute sonst machen? Es wäre eine Katastrophe, wenn sie ihre Arbeit verlieren würden und zu Hause bleiben müssten. Sie haben schon unter der Revolution sehr gelitten. Wir brauchen einfach Zeit für die Weiterentwicklung des Landes, für die politische Reformation. Die Revolution ist mehr als die (sichtbaren) Bilder von jungen Menschen, die um Demokratie kämpfen.
Quelle: WAZ
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