| Sinai |
| Geschrieben von: Klaus Derksen | |||
| Freitag, den 08. Januar 2010 um 14:40 Uhr | |||
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Die Sinai Halbinsel ist weitgehend unbewohnt. Es gibt kleinere Oasen wie Ain Hudra am Wadi Hagag oder El Farsh und Ain Om Ahmed. Vom Mosesberg aus den Sonnenaufgang zu erleben gehört zu den Höhepunkten eine Sinai Reise. Im Norden, am Mittelmeer bildert der Sinai eine Landbrücke zwischen Asien und Afrika. Im mittleren Bereich, mit der Wüste steigt er bis auf 1000 Meter Höhe an und erhebt sich in der Spitze dann bis auf 2600 Meter. Diese Hochgebirgszone prägen uralte Granit-, Gneisund Schieferformationen, deren Farbenspiel zwischen Rot, Rosarot, Braun und der Faszination der schroffen Felsen konnte sich schon Moses nicht entziehen.
Entdeckung warten. Die Ostküste ist daher fest in touristischer Hand. Trotz Wasserknappheit entwickelten sich Sharm el Sheik, Dahab, Nuweiba und Tabah zu Hotelhochburgen. Die Westküste läßt den landschaftlichen Reiz vermissen, zudem wird am Golf von Suez Öl gefördert. Auf dem Landweg ist der Sinai über ständige Busverbindungen von Kairo oder Suez aus erreichbar. Größere Orte findet man nur entlang der Küste des roten Meeres. Von Sharm El Sheikh kann man den Süden des Sinai wie z.B. den Coloured Canyon mit dem Geländewagen erkunden. Einer Legende zufolge soll hier der in der Biblischen Geschichte von Moses erwähnte brennende Dornbusch gestanden haben, der mit einer Gotteserscheinung verknüpft ist. Riesige unbewohnte Gegenden, schroffe Berge, öde Wüste, steinige Ödnis, Wadis und ab und an eine Oase - das ist der Sinai. Zwischen dem Golf von Sues im Westen und dem tiefen Golf von Akaba im Osten zeugen die verschiedenfarbigen Felsformationen von turbulenten geologischen Abläufen, die unter anderem auch den großartigen Katharinenberg (Gebel Katerin) und den ehrfurchtgebietenden Mosesberg (Gebel Musa) hervorgebracht haben. Sinai hat eine religiöses Erbe - durch ihn zogen die Kinder Israel durch die Wüste beim Auszug aus Ägypten. Durch diese Steinwüste wanderten sie vierzig Jahre, und Moses erhielt hier die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten, die bis heute an Bedeutung für zahlreiche Religionen und Kulturen nichts eingebüßt haben. Sinai liegt am Schnittpunkt zwischen den zwei großen Kontinenten Asien und Afrika, und es gibt hier viel Bodenschätze. Die majestätische Landschaft ist ein Kaleidoskop voller Farben, mit Granit in grauen, rosa bis hin zu gelben Tönen und grüner, brauner, blauer, ockergelber und weißer Erde. Die Unterwasserlandschaft von Ras Mohammed bis Taba ist nicht weniger eindrucksvoll. Bezaubernde Korallenriffe bieten zahlreichen exotischen Pflanzen und Tieren einmalige Lebensbedingungen. Die ägyptische Regierung verstand in ihrem Bestreben, den Tourismus zu fördern, daß das Rote Meer unnachahmlicher Anziehungspunkt für Taucher und Urlauber aus aller Welt ist. Zwei wichtigste Tauchgebiete wurden entwickelt: Naama Bay im Sinai und Hurghada auf dem Festland. Zum modernen Urlaubsangebot gehören Kamelsafaris in die Wüste mit Besuch beim altehrwürdigen Katharinenkloster; Tauchvergnügen mit allen Annehmlichkeiten eines erstklassigen Strandhotels und einige Tage Sightseeing im klassischen Ägypten. All dies läßt sich hier zu einem herrlichen Urlaub mit Sonne, Sport und Kultur vereinen.
NeuzeitBis 1906 gehörte der Sinai zum Osmanischen Reich, danach zu Ägypten. Am 29. Oktober 1956 marschierten israelische Truppen durch den Sinai zum Sueskanal, wodurch die Sueskrise ihrem Höhepunkt zusteuerte. Truppen aus Großbritannien und Frankreich, diesen beiden Ländern oblag aufgrund Pachtvertrages die Kontrolle über den Suezkanal, intervenierten anschließend und versuchten die Kontrolle über den von Gamal Abdel Nasser am 26. Juli 1956 verstaatlichten Kanal zurückzuerlangen. Auf politischen Druck der USA und der Sowjetunion zogen sich die nichtägyptischen Truppen wieder zurück und mit der United Nations Emergency Force (UNEF) wurde die erste internationale UN-Friedenstruppe auf dem Sinai stationiert. Im Mai / Juni 1967 zog sich die UNEF auf ägyptischen Wunsch zurück. Im Sechstagekrieg von 1967 wurde die Halbinsel (neben den syrischen Golanhöhen und der jordanischen Westbank) von Israel besetzt. Damit reagierte Israel auf die Sperrung der Straße von Tiran, Israels einzigem Zugang zum Indischen Ozean, durch die Ägypter. Gamal Abdel Nasser brach daraufhin die Beziehungen zu den USA und auch einigen europäischen Staaten ab, da sie Israel unterstützten, mit der Folge der Zuwendung zur Sowjetunion (Waffenlieferungen). Von 1973 bis 1979 kam es dann zur Folgemission UNEF II. Nach dem Camp-David-Abkommen 1978 und der Unterzeichnung des Israelisch-ägyptischen Friedensvertrag 1979 wurde sie 1982 an Ägypten zurückgegeben. Nach dem Ende von UNEF II folgte am 3. August 1981 eine außerhalb der UN angesiedelte internationale Friedenstruppe, die Multinational Force and Observers (MFO). Zu einer Katastrophe kam es, als am 20. Februar 1973 eine Zivilmaschine Boeing 727 der Libyan Arab Airlines, Flugnummer LN 114, sich auf dem Flug von Tripolis nach Kairo aufgrund eines Sandsturms über die militärische Sperrzone der Halbinsel Sinai, 18 Flugminuten von Kairo entfernt, verirrte und gegen 14:04 Uhr von einem israelischen Phantom-Jagdflugzeug abgeschossen wurde. Nur zwei von über 100 Passagieren überlebten. Ebenfalls im Jahr 1973, im Oktober, fand der Yom-Kippur-Krieg statt. Er endete letztlich am Verhandlungstisch und räumte Ägypten im Ergebnis teilweise die Rückerlangung von Territorien des Sinai ein. Erst nach Camp David und der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat gibt Israel das letzte Stück des Sinai an Ägypten im Jahre 1982 zurück. 1989 folgt auch Taba bei Eilat, um das bis dahin weiterverhandelt wurde. Terroranschläge Am 7. Oktober 2004 explodierten vor dem Hilton Taba und im Beduinen-Camp (Moon Island Village) bei Nuwaiba Autobomben, es wurden mindestens 34 Menschen getötet. Als Urheber wird die Terrororganisation al-Qaida vermutet.
Im größten Badeort der Halbinsel Sharm El-Sheikh sind zudem bei mehreren Terroranschlägen am 23. Juli 2005 mindestens 88 Menschen getötet und über 100 verletzt worden. Am 24. April 2006 gegen 19.15 Ortszeit fand ein Terroranschlag mit Explosionen an drei eng zusammen liegenden Stellen im Zentrum des 1000-Seelen-Ortes Dahab statt. Es gab ca. 25 Tote und viele Schwerverletzte. Die Urheber der Anschläge sind bisher nicht bekannt.
WirtschaftÄgypten (und damit auch der Sinai) gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Über die Regierungen Nassers, Sadats und Mubaraks verschuldete sich das Land stark zunehmend. Forderungen der Privatisierung verstaatlichter Betriebe scheitern bis heute an der stetig und unkontrolliert wachsenden Bevölkerung. Bergbau und Industrie, die ohnehin nur geringe prozentuale Anteile am Bruttosozialprodukt stellen, lohnen kaum. Im Jahr 2007/08 wurde eine Erdgas-Pipeline vom Norden bis in die Südspitze gebaut.
Es existiert ein Programm der EU zur Förderung des Sinai und der Beduinen (SSRDP). Einen wesentlich größeren Wirtschaftsfaktor stellt der Dienstleistungssektor (Tourismus).
TourismusAn der Südspitze des Sinai gibt es einige touristische Einrichtungen. So der Ort Sharm El-Sheikh mit vielen Hotels und das ehemalige Fischerdorf/Beduinenlager Dahab, wo im Meer Korallenriffe zu einem beliebten touristischen Ziel für Taucher aus aller Welt geworden sind. Sie gehören zu den Nationalparks Dahab und Wadi Nabq. An der äußersten Südspitze befindet sich – ebenfalls reich an Korallenriffen – der unbewohnte Ras-Mohammed-Nationalpark. Der Tourismus wurde vor mehr als 20 Jahren von den Beduinen initiiert, die durch ihre Gastfreundschaft Globetrotter aus aller Welt im Sinai willkommen hießen. Sie waren auch die Erbauer der ersten Urlaubcamps, die sich idyllisch in die Küstenlandschaft des Roten Meeres schmiegen. In den letzten Jahren haben die internationalen Veranstalter und andere Global Player den Sinai als Geldquelle für sich entdeckt und bauen immer mehr Hotels in dieser Gegend. Auch Bauruinen finden sich dort, zumeist als Projekte mittels Krediten finanziert und dann aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit oder Geldknappheit aufgelassen.
Die Ursachen für den Baustopp der Hotelressorts sind vielfältig, sie reichen von Fehlinvestitionen über Veruntreuung staatlicher Subventionskredite bis hin zum Rückgang des Tourismus aufgrund der Verunsicherung durch Terroranschläge. Wie eine Fata Morgana ragen die unvollendet gebliebenen Betonskelette von "Luxushotelanlagen" vor der Kulisse des blauen Himmels empor. Von ihrer beabsichtigten Pracht zeugen allein noch die verheißungsvollen Namen „Sultan’s Palace“, „Sindbad“, „Sunestra“ oder „Magic Life Imperial“ – Bezeichnungen, die Urlaubsglück mit orientalischem Flair suggerieren sollen. Diesen beklagenswerten Umstand nahmen sich die Künstlerinnen Haubitz&Zoche zum Anlass und veröffentlichten den Bildband "Sinai Hotels". Auch eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien 2008 fand großen Anklang. Bekannte touristische Orte der Beduinen am Golf von Aqaba sind außer Dahab Nuwaiba mit Tarabeen und Muzeina, Mahash mit idyllischen Beduinen-Camps für verträglichen Tourismus (Strandurlaub, Abenteuerreisen, Studienreisen) und Taba, das an der Grenze zu Israel liegt.
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| Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 06. November 2010 um 14:18 Uhr |




